Kohle, Leinen und Quadrat
Kein Mischen. Keine Trocknungszeiten. Immer einsatzbereit. Kohle bietet viele Vorteile. Doch der eigentliche Grund, warum sie der ideale Gefährte meiner Kunst ist, liegt tiefer. Kohle ist ein Element vollkommener Ruhe. Ein Material, das erst entsteht, wenn alles Lodern, alle Hektik vergangen sind. Bewusst gewählt in einer Zeit voller Ablenkungen und Oberflächlichkeiten.
Kohle ist direkt, ehrlich, unverfälscht. Sie reagiert auf jede Bewegung, jede Entscheidung, jeden Fehler. Ein Medium, das nichts kaschiert und nichts verzeiht. Ich schätze sie für die Fähigkeit, alles auf das Wesentliche zu reduzieren. Für die Klarheit, die sie erzwingt. Sie ist ein Material, mit dem man nicht nur zeichnet, sondern Welten formt.
Kohle erlaubt mir eine Bildsprache, die reduziert ist und dennoch in allen Farben erstrahlen kann. Eine Sprache, die nicht laut werden muss, um gehört zu werden. Sie ist mein stiller, unverzichtbarer Begleiter auf meiner künstlerischen Reise.
Ich hätte für meine Kohlebilder auch ein weißes Blatt Papier nehmen können. Es wäre der einfache Weg gewesen. Es hätte mir viel Mühe, Tüfteln und Experimentieren gespart. Doch der Preis dafür wäre hoch gewesen.
Ohne Leinen würden meine Werke nicht ihre charakteristische Optik besitzen. Die unverwechselbare, körnige Struktur meiner Kohlegemälde wäre nicht möglich. Auch die mit Messer oder Spachtel in die Oberfläche geritzten Details wären undenkbar. Papier oder Baumwolle würden reißen, der Leinen nicht.
Für mich ist der Leinen weit mehr als ein Malgrund. Er ist Teil der Komposition. Ich male nicht auf ihm, sondern mit ihm. Seine sichtbare Struktur und sein natürlicher Ton bleiben nach Möglichkeit bewusst erhalten und prägen die Bildsprache. Reduziert und rau, zugleich aber ruhig und behaglich.
Leinen ist ein robustes, manchmal auch störrisches Material, das meinen ungewöhnlichen Arbeitsweisen standhält. Ein Material, das meine Kunst nicht nur ermöglicht, sondern schlussendlich auch formt.
Das Quadrat. Eine Form, die in unserer Zeit selten geworden ist. Zu Beginn mehr durch Zufall erwählt, ist das quadratische Format mittlerweile eines meiner Markenzeichen.
Es umrahmt die Idee meiner Kunst und meine Kunst selbst auf eine Art und Weise, wie es kein anderes Format könnte. Es lenkt den Blick auf das Wesentliche und fordert zugleich eine klare Komposition. Eine Komposition, die sich dem Format anpasst und nicht, wie üblich, umgekehrt. Dies stellt mich als Künstler immer wieder vor Herausforderungen. Motiv und Format müssen erst zueinander finden, ihre eigene Balance suchen und miteinander in Dialog treten.
Doch gerade diese Auseinandersetzung führt zu Kompositionen, die im Zeitalter von Hochformat und Ultra-Widescreen eine ganz besondere Spannung erzeugen. Reduziert. Klar. Zeitlos. Aber gleichzeitig fordernd.