Spuren der Stille
Wenn Skispuren Geschichten erzählen und der Betrachter sie zu Ende schreibt. Eine vielschichtige Werkserie zwischen sichtbarer Landschaft, verborgenen Geschichten und persönlicher Wahrnehmung.
Frische Schwünge im Pulverschnee. Für mich gibt es kaum etwas Schöneres. Gerne blicke ich zurück und betrachte die Spur, die ich selbst zuvor durch den Schnee gezogen habe. Doch auch die Spuren anderer ziehen meine Blicke auf sich.
Jede ist anders. Jede hat ihren eigenen Charakter. Manche wirken schwungvoll und entschlossen, andere wiederum zögerlich oder suchend. Und unweigerlich beginnt man sich zu fragen, welche Geschichten sich dahinter verbergen.
„Spuren der Stille“ verwandelt dieses vertraute, heimatliche Motiv in eine minimalistische, poetische Bildsprache.
Skispuren durchziehen das monochrome Weiß der Leinwand. Ergänzt durch wenige, bewusst gesetzte Hütten und Bäume entstehen Landschaften, die weniger zeigen als andeuten.
Die Spuren führen den Blick und zugleich die Vorstellung. Wir folgen ihnen durch das Gelände, rekonstruieren Steigungen und erkennen Übergänge, ohne dass diese tatsächlich gemalt sind.
Der Betrachter wird zum Mitgestalter und arbeitet mit. Er ergänzt das Unsichtbare, vervollständigt das Bild im eigenen Inneren und lässt es weiterwachsen.
Geschichten entstehen und Fragen tun sich auf: Wer war hier unterwegs? Was hat diese Person erlebt? Wohin führt die Spur? Woher kommt sie?
Verlauf und Form der Spuren sind kein Zufall. Sie erzählen vom Aufbrechen und Einkehren, vom Scheitern und Wiederaufstehen, von Entscheidungen und Umwegen. Sie erinnern an Liebesbeziehungen, aber auch an Trennungen und Verlust. In ihnen spiegelt sich das Leben, das Menschsein mit all seinen leisen Wendungen.
Jedes Werk dieser Serie ist eine Einladung, einen Moment innezuhalten. Dem Verlauf der Spur durch das Weiß zu folgen. Den eigenen Gedanken Raum zu geben und das Bild im Inneren selbst zu vervollständigen.
Diese Bilder werden nicht nur gesehen, sie werden gedacht.